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06.12.2017

"Western" in Bulgarien

Filmtipp für Montag, 4. Dezember und Mittwoch, 6. Dezember ...

 

 

Der nächste Film in der Staffel „Filmkunst in Hessen“ lautet "WESTERN". Der Film läuft am Montag (4. Dezember) und am Mittwoch (6. Dezember) jeweils um 18 Uhr im Dillenburger Gloria-Kino an der Bismarckstraße.

 

In Valeska Grisebachs großartigem Film "Western" beleben deutsche Bauarbeiter in Bulgarien einen Kinomythos. Der Western sei ein Sehnsuchtsraum, der sich mit Männerkörpern, Landschaft und Gewalt fülle, hat der Schweizer Regisseur Jean-Luc Godard einmal gesagt. In dem neuen Film der Regisseurin Valeska Grisebach repariert ein deutscher Bauarbeiter in einem bulgarischen Fluss einen liegen gebliebenen Bagger – und hat dabei etwas von einem modernen Cowboy. Er und seine Kollegen tragen statt Pistolen ihre Werkzeuge am Gürtel. Die abgewetzte Lederweste des Vorarbeiters könnte auch einem Goldsucher gehören. Grisebach verlagert einen uramerikanischen Mythos in die Gebirge der bulgarischen Provinz.

 

Die Gewalt hält sich in ihrem Film angenehmerweise in Grenzen. Und mit einer gewissen Lässigkeit macht sie das Genre gleich zum Titel: "Western". Er handelt von einer ganz und gar gegenwärtigen deutsch-bulgarischen Begegnung und enthält doch alles, was zu einem klassischen Western gehört: den coolen Helden und den weniger coolen Gegenspieler. Die begehrte Frau, ein Pferd und ein Gewehr.

 

Pioniergefühle in einer endlosen Wald- und Berglandschaft. Über der flirrenden Hitze des Sommers schwebt eine diffuse Sehnsucht nach Abenteuer. Die Fliegen, die in Western auf den schweißnassen Stirnen der deutschen Bauarbeiter landen, erzählen eine eigene Geschichte von Körpern und Naturbezwingung.

 

Meinhard (Meinhard Neumann), heißt der schweigsame Held mit sächsischem Einschlag. Der hochgewachsene hagere Mann mit den markanten Zügen und dem Schnurrbart will auf Montage in Bulgarien Geld verdienen. Was man in ein paar Dialogbrocken über ihn erfährt, reicht für die Aura des einsamen Wolfs. Früher war Meinhard Fremdenlegionär im Irak.

 

Spät im Film, an einem schnapsgetränkten Abend, wird er einem Bulgaren, der kein Deutsch kann, erzählen, dass er seinen Bruder verloren hat. Sonst gibt es keine Familie, keine Geschichte, auch sein Alter erfährt man nicht. Dass Meinhard mehr Träume hat, als er zugibt, und mehr Gefühle, als sein meist unbewegtes Gesicht verrät, ist in jedem Bild zu sehen.

 

Der Film ist freigegeben ab 12 Jahren. Es spielen Reinhard Neumann, Reinhardt Wetrek und Syuleyman Alilov Letifov in einem Film von Valeska Grisebach.

 

» Trailer, Reservierungen  auf der Internetseite des  Gloria-Kinos Dillenburg.

 

 


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