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05.11.2018

Das Dorf beleben

Mit "Dorf-MOOC" neue Perspektiven für das Leben im Dorf gewinnen: Karin Schmid lädt ein, sich mit anderen Menschen auszutauschen ...

 

Mit einem Webinar will die Evangelische Bildung im Dekanat an der Dill, gemeinsam mit anderen Menschen neue Perspektiven für das Leben im Dorf entwickeln.

 

Pfarrerin Karin Schmid von der Erwachsenenbildung hat vor Interessierten die Internetplattform www.unser-dorf-mooc.de vorgestellt. Das kirchliche Projekt ist mit dem Hessischen Demografie-Preis (2. Platz) ausgezeichnet worden.

 

Das Programm zur Dorfbelebung startet im Evangelischen Dekanat an der Dill am 2. November und bietet sechs Wochen lang in Videos, Chats und den Foren einen regen Austausch zwischen Neulingen und bereits etlichen Aktiven an. Jeder, der mag und etwa eine Stunde pro Woche für das Webinar Zeit aufbringen kann, ist willkommen.

 

„Wir greifen auf das ausgezeichnete Programm zur Dorfbelebung zurück und hoffen auf weitere Interessierte, die sich beim Webinar noch anmelden können“, sagt Pfarrerin Karin Schmid.

 

Im Kern geht es um folgende Fragen: Wie will ich im Alter an meinem Wohnort wohnen, wie können Alt und Jung wieder miteinander ins Gespräch kommen und wie können wir das Miteinander im Dorf verbessern? Die Teilnahme ist kostenlos, mit der Einwahl auf die Plattform werden Vertraulichkeit und Datenschutz gewährt.

 

Zur Informationsveranstaltung in Herborn sitzen Nadine Wengenroth-Hermann (37) aus Herborn und Katja Gronau (49) aus Guntersdorf das erste Mal zusammen. Ab 2. November werden sie sich virtuell bei „Dorf-Mooc“ treffen, chatten und diskutieren. In sechs Kapiteln werden sie mit weiteren Interessierten von den Erfahrungen anderer Menschen aus anderen ländlichen Regionen Hessens lernen.

 

Während des Webinars können eigene Ideen eingespielt und reflektiert werden: „Eine der Stärken von Dorf-Mooc ist es, das eigene Umfeld neu zu erkunden“, sagt Karin Schmid, „etliche Teilenehmer haben in der Vergangenheit ihr Dorf neu schätzen gelernt“.

 

Interessierte, die beim „Unser Dorf-Mooc“ mitmachen möchten, können sich jetzt schon auf der Internetplattform anmelden. In den ersten Videos wird das Projekt erklärt. Ein Arbeitsplatz, ein Computer und etwa eine Stunde Zeit pro Woche ist die nötige Investition, um bei „Unser Dorf-Mooc“ Ideen für den eigenen Ort zu entwickeln.

 

„Vom 2. November an bis 11. November soll es um das Dorf, den Stadtteil und den Ort gehen, in dem ich lebe“, sagt Karin Schmid. Nadine Wengenroth-Hermann möchte sich in Herborn für Mütter mit kleinen Kindern einsetzen. Sie hat auch schon eine Idee. Es soll ein Mütter-Kind-Treff entstehen. Katja Gronau kommt aus Guntersdorf. Sie nimmt Veränderungen im Dorf wahr: „Es gibt kaum noch Geschäfte im Ort, zum Glück kommen Bäcker, Metzger und der Bofrost-Mann mit dem Wagen vorgefahren“, sagt Katja Gronau, „sonst müsste man noch mehr mit dem eigenen Auto fahren“.

 

„Wir im Dekanat an der Dill möchten, dass unsere ländliche Region attraktiv bleibt“, sagt Pfarrerin Karin Schmid, „wir bieten mit dem Onlinekurs einen neuen Austausch an, bei dem Menschen aus vielen Regionen in Hessen miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Karin Schmid.

 

Das Online-Seminar wird in der Zeit vom 2. bis 24. November 2018 für einen hessenweiten Austausch mit weiteren Teilnehmenden freigeschaltet sein. Weitere Infos im Internet unter https://unser-dorf-mooc.de/

 

» Weitere Informationen:

 

Evangelische Bildung im Dekanat an der Dill
Pfarrerin Karin Schmid
Telefon 0 27 72 / 58 34 - 270
Mail: karin.schmid.dek.dill@ekhn-net.de

 

 

Hintergrund „Dorf-MOOC“

 

Dass ein digitales Bildungsprojekt in Darmstadt einmal ein Dorf im Edertal so richtig in Bewegung versetzen würde, konnte Gunter Böhmer sich vor zwei Jahren kaum vorstellen. Damals ging der südhessische Bildungsexperte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit der Idee an den Start, durch Internet-Schulungen vor allem die Landbevölkerung zu mobilisieren.

 

Das Ziel: Vor Ort stärker für bessere Lebensbedingungen eintreten. Heraus kam das Projekt „DorfMOOC - Unser Dorf: Wir bleiben hier! - Ein Online-Kurs macht vor Ort mobil“.

 

Die auf den ersten Blick etwas sperrige Buchstabenkombination MOOC steht dabei für „Massive Open Online Course“, was nichts anders bedeutet als ein Intensivkurs via Internet. Dabei tauschen sich Initiativen online aus, werden Filme gemeinsam vor dem Bildschirm besprochen und Aufgaben zum Weiterdenken per Datenleitung diskutiert. Lange Reisewege entfallen.

 

Wo der Rechner steht oder das Handy in der Hand gehalten wird, ist bei dem digitalen Marktplatz im Online-Zeitalter egal. Dass das tatsächlich funktioniert, zeigt beispielsweise das Dorf Eifa bei Hatzfeld im Edertal. Dort hat Manuela Vollmann einen Impuls des „DorfMOOCs“ direkt in ein Projekt vor Ort umgesetzt.

 

Einmal monatlich wird in Eifa nun samstags eine „Baumelbank“ als mobiler Treffpunkt in verschiedene Höfe des 300-Seelen-Orts versetzt. Wo zuvor der Eindruck vorherrschte, dass im Dorf nicht mehr viel passiere, nutzen jetzt Einwohnerinnen und Einwohner aller Generationen diesen Treffpunkt und reden miteinander.

 

Die hohe Bank, auf der auch Erwachsene die Beine zwangsweise baumeln lassen müssen, wird vorzugsweise zu älteren Menschen des Ortes gebracht, die selbst nicht mehr mobil sind. So wurde eine niederschwellige Form der Beteiligung geschaffen, die die Menschen wieder zueinander bringt.

 

Das Projekt „DorfMOOC“ wurde mit dem Hessischen Demografie-Preis (2. Platz) ausgezeichnet. Staatsminister Axel Wintermeyer attestiert dem Projekt einen „Vorbildcharakter“, bei dem sich zahlreiche Menschen zu jeder Tageszeit per Smartphone, Tablet oder PC über die Entwicklungen in ihrem Heimatort austauschen können. Es trage dazu bei, den ländlichen Raum zu stärken. Die Dorfgemeinschaft und der Zusammenhalt der Bevölkerung könnten „entscheidend gefestigt werden“, sagte er im Vorfeld des Besuchs. „Ich freue mich, dass ich mir auf meiner Sommerreise nun ein eigenes Bild von dem Online-Kurs machen kann“, so der Staatsminister.

 

Begleitet wurde Wintermeyer bei seinem Besuch in Eifa auch von der nord-nassauischen Pröpstin Annegret Puttkammer. Für die evangelische leitende Geistliche, die sich seit langem mit den drängenden Themen der ländlichen Entwicklung beschäftigt, ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie die Kooperation verschiedener gesellschaftlicher Akteure auf dem Land gestärkt werden kann. Die Vernetzung engagierter Personen von Kommune, Kirche, Vereine und vielem mehr sei ein entscheidender Faktor, um die noch vorhandenen Ressourcen effektiver einsetzen zu können.

 

Trotz demografischem Wandel und Infrastrukturproblemen sieht Puttkammer vielfältige Chancen für das Land. Die hessen-nassauische Kirche versuche dabei bewusst exemplarisch positive Veränderungsprozesse zu unterstützen, wie etwa die „DorfMOOC“-Idee, die in Zusammenarbeit mit der benachbarten kurhessischen Kirche entwickelt wurde.

 

Das gilt auch für die Finanzen. Das nun nominierte Projekt wurde mit 60.000 Euro vom Land Hessen unterstützt. Rund 20.000 Euro kamen von der hessen-nassauischen Kirche dazu.

 

Und es geht weiter: Ein neuer Kurs läuft im November für alle Interessierten an.

 

» Mehr Informationen: https://unser-dorf-mooc.de/

 


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Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.
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