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03.12.2017

Bibelmotive im Haus

Das Museum Hohe Schule zeigt blaue Motive auf weißer Keramik: Die reformierte Frömmigkeit duldete Bibelmotive auf Fliesen im Haus ...

 

Reformierte Frömmigkeit und Bilderfreude zeigen sich auf Niederländischen Bibelfliesen, die unter dem stark verallgemeinernden und vereinfachten Begriff „Delfter Fliesen“ bekannt geworden sind und als Dekoration auf Plätzchendosen auch in unseren Breiten bekannt sind: weiße Fliesen mit blauen Motiven. Gezeigt werden oft Landschaftsbilder mit und ohne Windmühle oder auch Alltagsszenen.

 

Eine besondere Untergruppe bilden die Bibelfliesen, auf denen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament gezeigt werden. Seit dem 17. Jahrhundert wurden sie in den reformierten Niederlanden hergestellt und waren hauptsächlich entlang der Küste bis weit nach Polen und Russland verbreitet. Man findet sie in einfachen Bauernhäusern ebenso wie in repräsentativen Räumen von Schlössern.

 

Die Verwendung der Fliesen hatte sowohl praktische als auch ästhetische und didaktische Gründe. Durch das Fliesen ganzer Wände konnte die Feuchtigkeit aus den Räumen gehalten werden, was insbesondere an der Küste wichtig war. Kleinere Felder rund um Kamine und Herdfeuer boten leicht zu reinigende Oberflächen.

 

In den reformierten Niederlanden wurde das Bilderverbot des Alten Testaments, das im Laufe der Jahrhunderte stark aufgeweicht worden war, in den Kirchen wieder rigoros durchgesetzt. Das Interesse der Gläubigen an der Bilderwelt der biblischen Geschichten blieb jedoch ungebrochen. Als Konsequenz wurden bildliche Darstellungen in Privathäusern geduldet.

 

Das Museum Hohe Schule in Herborn zeigt in Zusammenarbeit mit dem Sammler Peter Merten eine Auswahl an biblischen und weltlichen Motiven. Die Ausstellung ist noch bis Ende Mai 2018 zu sehen.

 

Das Museum ist jeweils samstags, sonntags, mittwochs und donnerstags von 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.

 

» Bild oben:

Die Fliese „Elija wird von den Raben ernährt“ stammt aus Rotterdam und wurde 1720 gefertigt. Der Herborner Drucker Christoph Corvin (deutsch: Raab) wählte eine Darstellung dieser Geschichte als Druckerzeichen.

 

Neben Bibelfliesen zeigt eine Auswahl von Fliesen Tierdarstellungen und alte Kinderspiele, wie hier das „Reifen schlagen“ (FOTOS: P. Merten)

 

 


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