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Vergebung
a) „Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen“, sagt ein Sprichwort. Vergebung befreit von der Last alter Vorwürfe und Bitterkeiten, von der Notwendigkeit, falsche Wege immer weiter zu gehen, von der Lust am Untergang und von den Steinen auf der Seele, die wir unsrem Nächsten anlasten. Vergebung befreit den, dem vergeben wird. Aber manchmal vielleicht noch mehr den, der vergibt – wer vergibt, braucht nicht nachtragend sein.
b) Vergebung selber heilt und setzt ihrerseits manchmal eine Heilung voraus. Ich kann manchmal nur vergeben, wenn die Verletzung, die ich einem anderen vergebe, aufhört weh zu tun. Vergebung gibt’s also für den, der vergibt, manchmal nicht ohne Voraussetzung. Deshalb spricht christlicher Glaube davon, dass die Möglichkeit, vergeben zu können, selber ein Geschenk ist. Das Vaterunser bindet unsere Vergebung an die Vergebung Gottes: „Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern“. Vergebung zwischen Menschen und Völkern gibt es oft nur da, wo Gott selber handelt, indem er zuerst vergibt und den Vergebenden mit seiner Nähe den Rücken stärkt.
c) „Sündige tapfer, Gott vergibt um so tapferer“ – ein Luther-Zitat, das Mut macht zum Leben. Niemand von uns wird je fehlerfrei handeln. Aber vor den eigenen Fehlern so viel Angst zu haben, dass man lieber gar nicht mehr handelt – das ist unnötig, weil Gott tapfer vergibt.
Pfarrer Thomas Gessner, Hörbach
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