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Rechtfertigung
Christen nennen das durch Jesus Christus im Heiligen Geist gewirkte Heilshandeln Gottes „Rechtfertigung“. Die Reformation hat mit Paulus betont, dass dies „allein durch den Glauben“ geschieht und „allein aus Gnade“. Wir Menschen rechtfertigen uns, wenn wir zu Unrecht beschuldigt werden. Dagegen ist, wenn es zutrifft, nichts einzuwenden. Aber aus unserem schuldigen Versagen vor Gott kann nur er allein uns heraus-holen und wieder „zurechtbringen“, so dass wir so vor ihm stehen, wie es „richtig“ ist, als dankbare Geschöpfe. Früher hat die unterschiedliche Auffassung von der Rechtfertigung die evangelischen und katholischen Christen voneinander getrennt. Heute sind sich beide Kirchen näher gekommen. Die katholische Kirche hält der evangelischen Kirche nicht mehr vor, sie vernachlässige das christliche Handeln. „Gute Werke“ (Martin Luther) sind wir Gott und den Mitmenschen schuldig. Wir werfen umgekehrt der katholischen Kirche nicht mehr die sog. „Werkgerechtigkeit“ vor, denn auch für sie gilt letztlich allein Gottes Gnade. Wer heute allerdings nicht mehr weiß, was Schuld ist, wird die Wohltat der Vergebung aus Gnade nie begreifen.
Reformation
Mit Reformation (lat.: Erneuerung, Wiederherstellung) wird heute eine religiöse Bewegung des 16. Jahrhunderts bezeichnet, die die Einheit der westlichen Kirche (die östlichen orthodoxen Kirchen hatten sich bereits 1054 getrennt) zerbrechen ließ und sich wesentlich mit Martin Luther verbindet. Dieser wollte keineswegs eine neue Kirche gründen. Den letzten Anstoß zur Reformation gab der Ablasshandel, mit dessen Einnahmen der Petersdom in Rom erneuert werden sollte. Luther sah darin einen Missbrauch und rief zur Rückbesinnung auf die biblischen Grundlagen des Evangeliums auf - d. h. allein auf Christus und damit allein auf den Glauben, allein auf die Gnade und allein auf die Schrift. Er fand damit in ganz Europa Gehör. Während das Mittelalter von der Unverzichtbarkeit des Priesters als Heilsvermittler überzeugt war, sollten nach Luther Christen selbst in der Lage sein, die alles entscheidende Heilsbotschaft zu verstehen. Deshalb rief der Reformator in einer Zeit, in der das Lateinische für die gehobenen Schichten selbstverständlich war, zu Predigt und Messe in deutscher Sprache auf und übersetzte die Heilige Schrift in allgemeinverständliches Deutsch. Seine Übersetzung des Neuen Testamentes (1522) und der ganzen Bibel (1534) hatte dann aber nicht nur diese unmittelbaren religiösen Auswirkungen. Sondern indem er für seine Übersetzung "dem Volk aufs Maul" schaute und die gehörten Wendungen mit seinen bildhaften Formulierungen verband, entstand ein guter Teil der heutigen, alle Deutschen verbindenden Hochsprache. Insofern gibt es in Deutschland wie in manchen anderen Ländern bestimmte Verbindungen zwischen nationaler, sprachlicher und religiöser Identität. Die von Luther wiederentdeckte Botschaft von der Rechtfertigung des Glaubenden "allein aus Gnade" bedeutete eine Befreiung des mittelalterlichen Menschen von manchem nicht heilsnotwendigen und zum Teil politisch bedingten kirchlichen Zwang. Die mittelalterliche Leistungsreligion war damit abgelöst und damit auch die maßgebliche Bedeutung des für das ganze Mittelalter beherrschenden Mönchtums gebrochen. Die mittelalterliche Arbeitsteilung, dass die einen zu arbeiten und zu dienen hatten, während die anderen, die "Berufenen", für sie beteten, wurde aufgelöst. Nunmehr wurde nicht mehr nur dem Mönch, der Nonne, dem Priester ein "Ruf" zugestanden, sondern es durfte sich jetzt jedermann an dem Ort, wo er lebte und arbeitete, von Gott berufen wissen. Das so von Luther entwickelte Berufsverständnis wirkte damals ungeheuer befreiend und belebend und stellte die Basis dar, auf der sich in weiten Teilen der westlichen Welt moderne Wirtschaft in einer hochtechnisierten Zivilisation entfalten konnte. Luther beabsichtigte eine Reform, jedoch nicht Neugründung oder Spaltung von Kirche oder gar eine Revolution. Dennoch ergaben sich weitere Trennungen etwa durch die Schweizer Reformatoren Johannes Calvin (1509-1564) und Huldrych Zwingli (1484-1531). Ganz besonders lag ihm die elementare religiöse Bildung des Volkes am Herzen - einerseits durch die häusliche Orientierung am Katechismus, andererseits in der Schule. Evangelisches Leben in Deutschland war aufgrund der Bildungsimpulse der Reformationszeit mit der ganzen Kultur eng verbunden. Insbesondere das evangelische Pfarrhaus wurde zu einer Wiege der geistigen Elite Deutschlands, zu der auch populäre Kritiker des Christentums gehörten, wie etwa Friedrich Nietzsche
Religion
Der Begriff „Religion„ bezeichnet neben Wirtschaft, Recht, Kunst einen bestimmten Bereich menschlicher Kultur. Er will außerdem auf das Gemeinsame aller Religionen verweisen. In diesem Sinne meint Religion eine das ganze Leben tragende Bindung an eine transzendente Macht. Im Judentum, Christentum und Islam ist es der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der die Welt geschaffen hat. Religion betrifft einerseits weit mehr als nur ethische Werte und moralisches Verhalten, weil sie die ganze Wirklichkeit umfassend deutet. Religiöse Bindung begründet aber andererseits hierbei zugleich ein Verhalten, zu dem man sich verpflichtet fühlt. Religiöse Bindung kann Freiheit von weltlichen Zwängen, Trost im Leid, Lebenszuversicht, Hoffnung auf Zukunft und Kraft zum Handeln in der Liebe schenken. Religion kann aber auch zu zerstörerischem Fanatismus führen, aus verschiedenen Gründen, u. a. weil alle anderen Religionen abgewertet werden oder weil Religion zur Durchsetzung von nicht-religiösen Machtinteressen missbraucht wird. Die Menschheit braucht jedoch Versöhnung durch einen Dialog zwischen den Religionen.
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