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> Stichwort:
Jahreslosung
Am Anfang war ein Landpfarrer aus Kurhessen. Dieser wollte Mitte des 19. Jahrhunderts seine Konfirmanden zur täglichen Bibellese motivieren. Dazu teilte er die Bibel in kurze Abschnitte ein und ordnete jedem Tag des Kalenders einen Abschnitt zu. Im Jahr 1852 war der erste Bibelleseplan für die tägliche Bibellese fertig.
Im Jahre 1898 gab der damalige Reichsverband Evangelischer Jungmännerbünde den Plan das erste Mal heraus. 1929 schlossen sich weitere evangelische Verbände, die Frauenhilfe und Diakonen- und Diakonissenhäuser zu dem so genannten Textplanausschuss zusammen. 1934 schlug dann die Geburtsstunde der Jahreslosung. Sie wurde von den Mitgliedern des Textplanausschusses in allen ihren Zeitschriften veröffentlicht. > Mehr
Von Pfarrer Joachim Fritz,
Evangelischer Pfarrer im Schuldienst
Erinnern Sie sich noch an das ”Wort des Jahres 2009”? Richtig: “Abwrackprämie”. Oft genannt wurden aber auch: “kriegsähnliche Verhältnisse” und “Bad Bank”. Alle diese Worte werfen ein bezeichnendes Licht auf das krisengeschüttelte vergangene Jahr. Und sie lassen erahnen, dass 2010 wohl auch kein leichtes werden wird.
Zu deutlich die neuen (alten) Probleme, zu eng die weltweite Verflechtung, zu sensibel die Märkte. Und mal ehrlich: das Gefühl, dem allem mehr oder weniger hilflos ausgeliefert zu sein, ist kein angenehmes. Was also tun? Abwarten und hoffen, dass das Wort des Jahres 2010 ein besseres wird?
In den christlichen Gemeinden hat man eine Alternative: Das Wort für 2010 wird schon zu Beginn gewählt. Und es ist nicht die Reaktion auf das Gewesene, sondern “ Zeitansage” - durchaus mit dem Anspruch, Dinge zu beeinflussen und zum Guten hin zu verändern. Die Losung für dieses Jahr: “Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich” (Johannes-Evangelium, 14,1).
Ein Wort, mit dem Jesus von seinen Jüngern Abschied nimmt vor seiner Verhaftung. Damals wie heute: Das Erschrecken wird nicht verschwiegen - aber es wird relativiert, sogar überboten von einer Alternative: Glaubt! Vertraut! Das klingt wie ein Appell. Aber in Wahrheit hält die Jahreslosung vor allem die Tür offen; zeigt uns den Raum, den Gott uns längst fürs Leben bereitgestellt hat. Einen Raum, in dem nicht die Angst regiert, sondern das Vertrauen. Nicht der Schrecken, sondern die Überzeugung, dass Gott Zukunft hat. Einen Raum, in dem wir Jesus als verlässlichen Wegbegleiter finden. Paradiesisch wird das Leben dadurch nicht. Ich werde zu handeln und Fehler zu korrigieren haben. Ich werde Neues zu wagen haben. Aber das alles sind keine einsamen Entscheidungen. Jesus ist Gesprächspartner und Begleiter, der Glaube ist Fundament. Letztendlich sind die “Worte des Jahres”, die irgendwann in den nachrichten genannt werden, gar nicht so wichtig, denn sie können nur zurückblicken. Wichtig sind die Worte, die Zukunft gestalten. Ich finde, die Jahreslosung 2010 macht da einen guten Anfang.
Joachim Fritz, Sinn-Fleisbach
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