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G
Gebet
Was tun Christinnen und Christen, wenn sie beten? Sie reden zu Gott. Im Gebet (=G.) können wir uns sammeln, besinnen und heilsamen Abstand gewinnen. Dazu können die verschiedenen Gebetshaltungen helfen. Wir dürfen vor Gott aussprechen, was uns zutiefst bewegt: unsere Freude und Glück, aber auch unsere Ängste, Nöte und Sorgen. Zum G. gehören das Bitten um Hilfe durch Gott: Und zwar Hilfe für uns und für andere (Fürbitte), die wir eben nicht selbst geben können. Wir können im G. Gott danken und loben für Gutes und Schönes in unserem Leben. Zum G. gehört aber auch die Klage, die eigenes und fremdes Leid vor Gott bringt, und schließlich die Anklage Gottes (vgl. Hiob). So zielt das G. darauf ab, dass wir mit den Erfahrungen in unserem Leben nicht alleine bleiben. Das G. ruft und sucht vielmehr nach Gottes helfender und heilender Nähe und Gegenwart und bittet um ein wahrhaft gelingendes Leben. Mit dem Vaterunser hat uns Jesus Christus gezeigt, wie wir beten können.
Gebot
Das Wort "Gebot" bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch eine religiöse oder sittliche Vorschrift. Am bekanntesten sind die 10 Gebote aus dem Alten Testament, die mit "du sollst" oder "du sollst nicht" das Verhältnis zu Gott und das menschliche Zusammenleben regeln sollen. In den Evangelien und den Paulusbriefen wird aber davor gewarnt, das Einhalten der Gebote als Zeichen besonderer Frömmigkeit zu sehen. Jesus nennt ein "höchstes Gebot", nach dem alle anderen Gebote zu beurteilen sind: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt." Und: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe sind also die 3 unverzichtbaren Komponenten, wenn menschliches Zusammenleben zufriedenstellend geregelt werden soll. Gebote haben nur auf diesem Hintergrund ihren Sinn. Deshalb finden wir im Neuen Testament die Kritik an denen, die auf Kosten der Liebe auf das Einhalten der Gebote bestehen.
Gerechtigkeit
Wir meinen mit Gerechtigkeit (G.) die soziale G., eine gerechte Rechtsprechung und dass es im ganzen auf der Welt gerecht zugehe, indem jeder erhält, was er verdient, wie wir so denken. Wir möchten, dass auch Gott zu uns gerecht ist. Aber haben wir es verdient? Und können wir überhaupt das gerechte, d. h. richtige Verhältnis zu Gott verdienen? Schon das Alte Testament preist Gott als Inbegriff von G. und Frieden. Der Beter von Ps 85 bittet, dass auch auf Erden "Gerechtigkeit und Friede sich küssen". Die Propheten verkünden eine kommende ewige Friedensherrschaft Gottes in "Recht und G.", bei Jesaja im Zeichen eines "Kindes", das geboren werden wird (9, 5f.). Jesus hat den Anfang dieses "Reiches Gottes" bezeugt: Gottes G. ist da als "Güte" (Mt 20, 15), als uns zuvorkommende Versöhnung, wie der Vater dem "verlorenen Sohn" freudig vorauseilt (Lk 15, 20). Nach dem Osterwunder war den Jüngern klar: Jesus selbst ist die uns geschenkte G. Gottes als seine Treue, Güte, Liebe, sein ewiger Friede - Gottes Schalom, an dem wir schon jetzt teilhaben - "ohne unser Verdienst" (Martin Luther). Nichts anderes meint die Aussage des Paulus dass Gott selbst uns "rechtfertigt", "allein aus Gnade" und "allein durch den Glaube"(Röm 3, 28). Darum feiern wir "Frohe Ostern" und geben Friede und Gerechtigkeit weiter.
Gesetz
"So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." (Röm 3,27) ("Gerechtigkeit"). Paulus meinte mit Gesetz (G.), dass die Griechen und andere Nichtjuden, denen er das Evangelium von Jesus Christus verkündete, sich nicht zuerst beschneiden lassen und die jüdischen Reinigungs- und Speisevorschriften einhalten müssen: Um Christ zu sein, muß man nicht zuvor Jude werden. Das G. umfasst freilich auch Gottes Zehn Gebote; Sie bleiben auch für Christen gültig im Lichte des Doppelgebots der Liebe zu Gott und zum Nächsten. In dieser Liebe verkörpert sich ("hanget") das "ganze Gesetz" (Mt 22, 40) ("Gebote"). Gottes G., d. h. sein "Gebot", ist "heilig, gerecht und gut" (Röm 6, 12), weil es uns zum einen auf das Gute für unsere Mitmenschen verweist (Nächstenliebe). Aber wir können es nicht erfüllen. Wir sind innerlich gelähmt; jeder weiß es, gerade auch Paulus: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." (Röm 7, 19) Wir verstoßen vor allem aber zweitens immer wieder gegen das G. in Gestalt des Ersten Gebots durch die Dinge, die unsere modernen Götter geworden sind. Wir verraten Gott und ersetzen ihn. Wo bleibt unsere Gottesliebe? Wie gut, dass Gottes Liebe zu uns beständig ist! Das zeigt sich in Christus; in diesem Sinne ist er "des Gesetzes Ende" (Röm 10, 4).
Glaube
"Dem weltlichen Wort "Glauben" (=G.) haftet etwas Ungewisses an. Und so krankt "G." an dem weltlichen Wortgebrauch, der es im Sinn von "Für-wahr-halten" versteht. Man hört (liest) etwas, was man nicht nachprüfen kann und nun glaubt man´s oder man glaubt es nicht." (So Fr. Melzer vor 50 Jahren). Dies "Ungewisse" kann man spüren in Sätzen wie "Ich glaube nur, was ich sehe" oder "G. heißt: nicht wissen". In der Bibel meint G. etwas ganz anderes; dort heißt G. vielmehr "Vertrauen". Das spüren wir schon an Noah und Abraham und ihrer Geschichte. So und noch mehr an der Geschichte von Jesus, "dem Anfänger und Vollender des G." (Hebr. 12), wie er dann genannt wurde. In der Bibel meint G. also nicht ein "Für-wahr-Halten" sondern eine persönliche Beziehung. Und man spürt das überall, wo von G. die Rede ist, z.B. "Dein Glaube hat dir geholfen" (Mt 9, 22); "nichts ist unmöglich dem, der glaubt" (Mk 9, 23). Oder in der Geschichte vom zweifelnden Jünger, der erst an den lebendigen Christus glauben kann, als er seinen Finger in die Wunde Jesu legt. Zu ihm sagt Jesus: "Selig ist, wer nicht sieht und doch glaubt". Womit er eben die Beziehung, das Vertrauen meint, das zwischen ihnen gegolten hat und gelten soll. Um solche Beziehung geht es auch wenn Menschen zueinander sagen: "Ich glaube Dir", was eben heißt: Dir vertraue ich; und auch wenn man "sich jemand anvertraut" ist das Ausdruck eben dieser Beziehung. Im Hebräerbrief heißt das dann so: So ist der G. eine gewisse Zuversicht auf das, was man hofft, ein Nicht-Zweifeln an dem, was man nicht sieht.
Gnade
Verurteilte bitten um Gnade und wenn es gut läuft dann werden sie "begnadigt" und es ergeht "Gnade vor Recht". Der Begriff scheint eindeutig in den juristischen Bereich zu gehören. Für den Glauben heißt das dann, daß Gott der Richter ist, der beim Strafvollzug seiner Gebote und Gesetze auch mal großzügig sein kann aber es nicht sein muß. Ist das der "gnädige Gott", den Luther gesucht hat? Doch genauer betrachtet führt uns das Wort weg von der Rechtsprechung. Denn im deutschen Wort "Gnade" steckt das Wort "nahe, Nähe". Gnade ist also kein Wort aus dem Recht sondern ein Wort, das von einer engen Beziehung spricht. Der Richter hat mit einem Angeklagten nichts zu tun, er ist ihm egal. Wir aber sind Gott nicht egal. Unsere Sünde, also die Distanz und Trennung von Gott ist Gott nicht egal. Er überbrückt die Distanz; er sucht die Nähe und den Kontakt zu uns; er zeigt uns den Weg zu sich; er ist da, wenn wir die Nähe zu ihm suchen. Das ist der gnädige, der "nahe" Gott, den Jesus Christus verkörpert hat.
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