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Evangelische Kirchengemeinde
Herborn

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Der Kirchberg in Herborn - Keimzelle der Stadt

Evangelische Stadtkirche Herborn In der Evangelischen Stadtkirche von Herborn spiegeln sich mehr als 750 Jahre Stadt- und Kirchengeschichte wider.
Als die Kirche 1231 dem Deutschen Orden übertragen wurde, gab es wohl eine Ortschaft Herborn, aber noch keine Stadt. Stadtrechte erlangte Herborn erst 20 Jahre später. 

Die Evangelische Stadtkirche in Herborn thront fast auf einer Höhe mit dem Herborner Schloss auf dem Kirchberg. Das weiße Gebäude ist weit über den Dächern der historischen Altstadt sichtbar. Als Graf Wilhelm der Reiche von Nassau-Dillenburg sich 1529/30 der Reformation zuwandte, wurde die Kirche evangelisch. Der Graf betrieb nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 umso entschiedener die Durchsetzung der Reformation. Seine Witwe, Juliane von Stolberg, und seine Söhne Prinz Wilhelm von Oranien, Graf Johann VI. und Graf Ludwig wandten sich schließlich dem reformierten Bekenntnis zu, das in Nassau-Dillenburg zu Ostern 1578 verbindlich eingeführt wurde. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war die Gründung der „Hohen Schule“ 1584 mit dem Theologen Caspar Olevian als Rektor. Jetzt standen Predigt und Abendmahl im Mittelpunkt des Gottesdienstes.   

Ursprünglich war das Gotteshaus eine romanische Basilika mit einem Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen, einem Westturm und zwei Osttürmen, zwischen denen eine halbrunde Apsis das Mittelschiff der Basilika abschloss. Die beiden Osttürme sind, bis unter das Dach reichend, von innen deutlich erkennbar.

Um 1350 erfuhr die Kirche eine erste Erweiterung. Die Apsis wurde abgebrochen und durch einen geräumigen gotischen Chor ersetzt. Ein mächtiger gotischer Triumphbogen zwischen den ersten beiden Türmen schließt das Mittelschiff nach Osten ab.

Im Inneren zeichnet sich die Kirche im Chor durch ein aufwendiges spätgotisches Netzgewölbe (um 1490) mit Blumenornamenten und den schönen Renaissance-Emporen im Hauptschiff aus. Die Reste des romanischen Westturms sind noch an der Nordseite des Glockenturms zu sehen. Vier mächtige Säulen im Stile der Renaissance bestimmen das Bild im Kirchenschiff noch heute.

Der Chor diente 1513 als Grabgelege des nassauischen Grafenhauses. Mit der Gründung der „Hohen Schule“ fand die nun größere Gemeinde mit den Professoren und den Studenten in der alten Kirche keinen Platz. Zudem verlangte die 1586 eingeführte Middelburger Kirchenordnung Platz für Presbyterien, Konvente und Synoden: Die Kirche musste umgebaut werden. Die romanischen Türme und der gotische Chor blieben bestehen, das Kirchenschiff wurde abgebrochen und in der Zeit von 1599 bis 1609 durch einen großen Predigtraum mit zwei Emporen auf jeder Seite ersetzt. Für die „Hohe Schule“ entstand an der Südseite ein dreigeschossiger Anbau. Das Dachgeschoss wurde ausgebaut für weitere Seminarräume, eine Bibliothek und das Pädagogium.

Die Evangelische Stadtkirche überstand den Dreißigjährigen Krieg, den Stadtbrand von 1626, den Siebenjährigen Krieg und schließlich die Koalitionskriege mit den Truppen der französischen Revolution. Die Südfassade der Stadtkirche wurde 1811 in früher neugotischer Fassung wieder hergestellt, während die Nordseite die ältere Außenfront des Hauptschiffes (um 1200 und 1600) und den gotischen Chor zur Geltung bringt.

Die „Hohe Schule“ wurde 1817 nach dem „Wiener Kongress“ und mit der politischen Neuordnung von der Regierung in Wiesbaden aufgelöst. Damit veränderte auch die Kirche ihr Gesicht: 1822 wurden die beiden Osttürme, die das Dach überragt hatten, abgebrochen und der dreigeschossige Südbau wurde zerstört. Der einst so mächtige Westturm erhielt den gestutzten Helm, den er heute noch zeigt. Damit machte die Kirche einen schlichteren Eindruck.   

Bei einer Renovierung 1909 fanden sich an der Nordwand Reste eines riesigen Christophorus und einige Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurden wieder hergestellt. Die Wiederherstellung der drei Kirchtürme scheiterte am Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1955, konnte der etwas eintönige Innenanstrich der reformierten Kirche durch eine etwas farbigere Ausgestaltung ersetzt werden. Ende 1990 wurde die vom Chor aus zu erreichende kleine Gruftkapelle der Fürstin Isabella Charlotte von Nassau-Dillenburg wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Seit 2001 besitzt die Kirche einen neuen Verputz.

Westlich der Kirche steht als markanter Rest der Stadtbefestigung der "Bürgerturm".
 
Den Standesunterschieden der Zeit entsprechend wurden die Studenten der "Hohen Schule" im "Karzerturm", die Schwerverbrecher im "Hexenturm" und renitente Bürger im "Bürgerturm" eingesperrt.



 

 

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