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Von Pfarrerin Annegret Puttkammer, Dekanin im Dekanat Herborn
Pfingsten fasziniert mich Jahr für Jahr neu: Verängstigte Leute wurden plötzlich standhaft und redegewandt. Wenige Augenblicke zuvor kannten sie nur die Sorge um die eigene Haut. Doch dann trauten sie sich in die Öffentlichkeit, fanden die rechten Worte und versprühten so anziehend ihre Botschaft, dass Tausende sich angesprochen fühlen.
So etwas kann kein Mensch möglich machen! Das vermag nur Gottes Geist. Er war es, der die Apostel damals an Pfingsten in Jerusalem so grundlegend veränderte. Durch die Jahrhunderte hindurch wirkte Gottes Geist weiter: Er zeigte Franz von Assisi den Weg zu den Armen, öffnete Martin Luther und Ulrich Zwingli die Bedeutung der Schrift, ließ Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl und Oscar Romero bis zum Tod standhaft bleiben. Er schenkte Mutter Teresa die Liebe zu den Sterbenden und vielen Diakonissen die aufopfernde Hinwendung zu den Kranken.
Bis heute ist Gottes Wirken in dieser Welt zu spüren. Er macht Menschen beharrlich und phantasievoll für Jesus: Die Schülerin, die sich trotz der spöttischen Blicke ihrer Mitschüler nicht vom Religionsunterricht abmeldet. Den Geschäftsführer, der den christlichen Abreißkalender im Büro aufhängt und seine Mitarbeiter nicht länger wie Untergebene, sondern wie Partner behandelt. Die Witwe, die das Bibelwort auf dem Grabstein ihres Mannes liest und unter Tränen auf einmal lächeln kann. Oder die Kirchengemeinde, die Obdachlose versorgt, und den Arzt, der sie kostenlos behandelt. Selbstverständlich ist das alles nicht. Aber Gottes Geist macht es möglich.
Natürlich will Gottes Geist auch weiter Menschen in Bewegung bringen für die Gute Nachricht von Jesus. Deshalb bin ich an Pfingsten immer gespannt darauf, wie Gottes Geist heute wirksam wird. Ich bin sicher, dass er das rechte Wort schenkt, die passende Geste gibt und die nötige Handreichung tun lässt.
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